Wenn weg, dann weg: Warum immer mehr Unternehmen Deutschland den Rücken kehren

Deutschland verliert zunehmend an Attraktivität als Wirtschaftsstandort. Immer mehr Unternehmen — vom Mittelständler bis zum DAX-Konzern — verlagern ihre Produktion ins Ausland oder bauen neue Werke gleich jenseits der Grenze. Die Gründe dafür sind vielfältig und seit Jahren bekannt, doch politisch wird das Problem ignoriert.
Die Energiekosten in Deutschland gehören zu den höchsten der Welt. Nach dem überstürzten Atomausstieg und der Abschaltung der letzten drei Kernkraftwerke im April 2023 ist die Abhängigkeit von teuren Energieimporten gestiegen. Während Länder wie Frankreich, Polen und die USA auf einen ausgewogenen Energiemix setzen, hat sich Deutschland in eine energiepolitische Sackgasse manövriert.
Bürokratie als Standortkiller
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die überbordende Bürokratie. Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, die europäische CSRD-Berichtspflicht und unzählige weitere Regularien ersticken jedes unternehmerische Engagement. Ein Mittelständler mit 200 Mitarbeitern muss heute mehr Verwaltungsaufwand betreiben als ein US-Konzern mit 10.000 Beschäftigten vor zwanzig Jahren.
Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, brachte es auf den Punkt: „Wir regulieren uns zu Tode. Es geht nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie schnell."
Steuerlast im internationalen Vergleich
Mit einer Gesamtsteuerbelastung für Unternehmen von knapp 30 Prozent liegt Deutschland im internationalen Vergleich weit oben. Irland lockt mit 12,5 Prozent, osteuropäische Länder bieten Sonderkonditionen, und selbst das sozialistische Frankreich hat seine Unternehmenssteuern in den letzten Jahren deutlich gesenkt. Deutschland dagegen hält an überholten Strukturen fest — und wundert sich dann über den Exodus der Unternehmen.

Dario Herzog
ChefredakteurDario Herzog ist Gruender und Chefredakteur des Freiburger Standard. Der studierte Politikwissenschaftler und Historiker hat das Magazin 2021 ins Leben gerufen, um eine publizistische Luecke im deutschsprachigen Raum zu schliessen — unabhaengigen, kritischen Journalismus jenseits des Mainstreams. Vor seiner journalistischen Laufbahn war er als Unternehmensberater taetig.
dario.herzog@freiburger-standard.deMehr aus Aktuell
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