Ausland

Alle Jahre wieder: Erwärmt sich Europa wirklich doppelt so stark wie der Rest der Welt?

Albrecht Künstle
Albrecht KünstleLeitender Redakteur
02.05.2026·5 Min. Lesezeit·0 Kommentare
Alle Jahre wieder: Erwärmt sich Europa wirklich doppelt so stark wie der Rest der Welt?

Man könnte meinen, folgende Nachricht wäre zum 1. April gestreut worden: Europa erwärmt sich von allen Kontinenten des Planeten doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Diese Behauptung, die vom EU-Klimadienst Copernicus und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) verbreitet wird, hält einer genaueren Prüfung jedoch kaum stand.

Die Methodik der Datenerhebung wirft erhebliche Fragen auf. Temperaturmessungen in Europa sind im globalen Vergleich besonders dicht und reichen teilweise über 250 Jahre zurück — eine Datendichte, die es in Afrika, Asien oder Südamerika schlicht nicht gibt. Zudem liegt ein großer Teil der europäischen Messstationen in oder in der Nähe von Städten, die durch den Wärmeinseleffekt systematisch höhere Temperaturen aufweisen.

Der Wärmeinseleffekt — das unterschlagene Problem

Städte sind im Durchschnitt 2 bis 4 Grad wärmer als ihr ländliches Umfeld. In Großstädten wie Paris, London oder Madrid kann der Unterschied sogar 8 bis 10 Grad betragen. Wenn nun immer mehr Messstationen in urbanen Gebieten liegen und gleichzeitig ländliche Stationen abgebaut werden, ergibt sich zwangsläufig ein Erwärmungstrend — unabhängig vom tatsächlichen Klimageschehen.

Der renommierte Klimaforscher Prof. Dr. Roger Pielke Sr. von der University of Colorado hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die globale Temperaturmessung unter massiven Qualitätsproblemen leidet. Landnutzungsänderungen, die Verschiebung von Messstationen und der urbane Wärmeinseleffekt verzerren die Daten systematisch nach oben.

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Leitender Redakteur

Albrecht Kuenstle ist leitender Redakteur beim Freiburger Standard und verantwortlich fuer die Ressorts Politik, Justiz und Ausland. Der promovierte Jurist war zuvor als Rechtsanwalt in einer Stuttgarter Kanzlei taetig, bevor er seine Leidenschaft fuer kritischen Journalismus zum Beruf machte. Seine Analysen zeichnen sich durch juristische Praezision und politisches Gespuer aus.

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