Das historische Kalenderblatt – George Washington wird Führungsfigur der Vereinigten Staaten

Am 15. Juni 1775 fällt in Philadelphia eine Entscheidung, die den Verlauf der amerikanischen Geschichte nachhaltig prägen wird. Der Zweite Kontinentalkongress ernennt George Washington zum Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee — und macht ihn damit zur Führungsfigur der jungen Nation, die sich gegen das britische Mutterland auflehnt.
Washington, zu diesem Zeitpunkt 43 Jahre alt, bringt für diese Aufgabe eine einzigartige Kombination von Eigenschaften mit. Als Veteran des Franzosen- und Indianerkriegs (1754–1763) verfügt er über militärische Erfahrung. Als Großgrundbesitzer und Plantagenbetreiber in Virginia kennt er die wirtschaftlichen und politischen Eliten der Kolonien. Und als Delegierter des Ersten und Zweiten Kontinentalkongresses ist er mit den politischen Prozessen der Revolutionsbewegung vertraut.
Ein Mann von physischer Präsenz
Zeitgenössische Berichte beschreiben Washington als einen Mann von beeindruckender physischer Präsenz. Mit einer Körpergröße von etwa 1,88 Metern überragte er die meisten seiner Zeitgenossen um Haupteslänge. Seine militärische Haltung, sein ruhiges, bestimmtes Auftreten und seine unerschütterliche Gelassenheit selbst in kritischen Situationen machten ihn zur natürlichen Autoritätsperson.
Thomas Jefferson sagte später über ihn: „Sein Verstand war nicht der schnellste, aber dafür umso gründlicher. Kein einziges Mal in seiner gesamten Karriere hat er eine vorschnelle oder unüberlegte Entscheidung getroffen."
Der Beginn eines Mythos
Die Ernennung vom 15. Juni 1775 war mehr als eine militärische Personalentscheidung. Sie markierte den Beginn eines Mythos. Im Laufe der nächsten acht Jahre sollte Washington die zahlenmäßig unterlegene, schlecht ausgerüstete und chronisch unterfinanzierte Kontinentalarmee durch unzählige Krisen führen — und am Ende siegreich aus dem Unabhängigkeitskrieg hervorgehen.
Jan Ackermeier
Redakteur Panorama & GeschichteJan Ackermeier verantwortet das Ressort Panorama und die beliebte Reihe „Das historische Kalenderblatt“. Der studierte Geschichtswissenschaftler hat eine besondere Gabe, historische Ereignisse lebendig und spannend zu erzaehlen. Seine taeglichen Kalenderblaetter gehoeren zu den meistgelesenen Beitraegen des Freiburger Standard.
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